Sportshop Triathlon Blog


 Zur Übersicht

Auf den Spuren der Underdogs in Rio

Moderner Fünfkampf, Segeln und Co

Die meisten Olympiazuschauer sind sehr vertraut mit dem Regelwerk der Sportarten. Disziplinen wie Leichtathletik, Turnen oder Schwimmen bereiten den interessierten TV-Zuschauern keine Probleme. Andere Sportarten wiederum, die vor allem in Deutschland weniger verbreitet sind, bedürfen einiger Erklärungen. Das Olympiaumfeld drei dieser Sportarten wollen wir etwas näher beleuchten.

 

 

Segeln

Das Wettkampfreglement im Segeln ist etwas unübersichtlich: Segeln ist nicht gleich Segeln! In ganzen acht Veranstaltungen werden hier Wettkämpfe auf dem Wasser ausgetragen. Es gibt Windsurfen RS:X, Laser (Männer), Laser-Radial (Frauen), Finn-Dinghy , Nacra 17 (Mixed), 470er Klasse, 49er (Männer) und 49er FX (Frauen).

Das Segeln im Olympiaprogramm blickt auf eine lange Tradition zurück. Bereits im Jahr 1896 wollte man das erste Mal in olympischen Gewässern segeln, doch daraus wurde nichts: Wegen schlechten Wetters wurde das Olympia-Debüt um vier Jahre verschoben. Im Jahr 1900 segelte aber direkt ein deutsches Boot zu Gold. In Rio werden die insgesamt zwölf deutschen Teilnehmer versuchen, dieses Kunststück in den Bootsklassen RS:X, 49er, 49erFX, Laser, Nacra 17 und 470er zu wiederholen. Es starten für das deutsche Team insgesamt sieben Männer und fünf Frauen: Phillip Buhl, Erik Heil, Ferdinand Gerz, Annika Bochmann, Anika Lorenz, Toni Wilhelm, Victoria Jurczok, Marlene Steinherr, Oliver Szymanski, Paul Kohlhoff, Thomas Plössel, Carolina Werner. An der Guanabara Bucht starten die Segel-Wettkämpfe mit den Vorrunden und verschiedenen Rennen am 8. August. Vom 14. bis 18. wird dann um die Medaillen gesegelt. Das deutsche Team setzt dabei weitgehend auf Debütanten. Lediglich Ferdinand Gerz und Toni Wilhelm schnupperten schon einmal olympische Luft. Besondere Aufmerksamkeit gebührt Paul Kohlhoff und Carolina Werner im Katamaran Nacra 17. Das Duo hat sich erst auf den letzten Drücker, dafür aber eindrucksvoll, qualifiziert: Im hochklassig besetzten Feld beim World Cup in Weymouth holte das junge Team die Silbermedaille und verwies die Top-Favoriten für Rio und viermaligen Weltmeister aus Frankreich auf Platz drei.

Leider ist der Segelwettkampf aber schon im Vorfeld von Negativschlagzeilen überschattet worden. Verschiedene Athleten beklagen schon im Vorhinein die Zustände in der eigentlich idyllisch wirkenden Gunabara Bucht. „Fäkalien, Gift, Müll und Schwermetalle belasten das Wasser“, schreibt der Spiegel vor wenigen Tagen. Es grenzt schon nahe an eine gesundheitliche Zumutung für die Sportler. Bis zu 100 Tonnen Müll täglich und 18.000 Liter pro Sekunde unbehandelte Abwässer gelangen in das Wasser. Schuld daran sind zehn Millionen Menschen und 12.000 Industrieanlagen, die ihre Abwässer darin entsorgen. Das IOC versucht seit Anfang des Jahres eine Lösung zu finden, aber bisher scheint es wenig genützt zu haben, wie Athleten vor Ort bestätigen.

Die Segelwettkämpfe werden vom 8. bis 18. August an der Copacabana ausgetragen.

Moderner Fünfkampf

Während in den Zeiten der Antike der Fünfkampf (Pentathlon) noch aus Speer, Diskus, Weitsprung, Laufen und Ringkampf bestand, hat sich bei den Olympischen Spielen der Neuzeit ein moderner Fünfkampf etabliert. Die Disziplinen haben sich verändert und weiter entwickelt. Pistolenschießen, Degenfechten, Schwimmen, Springreiten und Querfeldein- Lauf zählen heute zum Modernen Fünfkampf. Erstmals in Stockholm (1912) war der moderne Fünfkampf ein Teil der Olympischen Sommerspiele. Anders als beim Triathlon werden die Teildisziplinen nicht unmittelbar nacheinander absolviert, sondern mit mindestens einer Stunde Zeit dazwischen. Die erzielten Leistungen werden in Punkte umgerechnet.

Die Disziplinen im Einzelnen

  • Schwimmen: Dabei gilt 200 m Freistilschwimmen. Bei einer Zeit von 2:30 Min. ergeben sich 250 Punkte. Je Sekunde darüber oder darunter bedeuten drei Punkte mehr oder weniger für die Athleten.
  • Degenfechten: In der Platzierungsrunde fechtet jeder gegen jeden („Round Robin“). Dabei genügt ein Treffer zum Sieg innerhalb einer Minute, sonst heißt es Doppelniederlage. Es ergeben 70 Prozent der erreichbaren Siege 250 Punkte. Die Punktzahl für jeden Sieg mehr oder weniger ist in einer Tabelle festgelegt (bei 36 Teilnehmern, wie bei Olympischen Spielen üblich, sind dies +/- 7 Punkte pro Sieg oder Niederlage). In der Bonusrunde tritt der Letztplatzierte nach der Platzierungsrunde gegen den Vorletzten an. Der Sieger erhält einen Bonuspunkt und tritt danach gegen den Drittletzten an. Dieses Leiter-System wird bis zum bestplatzierten Athleten der „Round Robin“ fortgeführt, der jeweilige siegreiche Athlet bleibt stets auf der Planche. Gewinnt der bestplatzierte Athlet seinen (einzigen) Kampf, erhält er zwei Bonuspunkte.
  • Springreiten: Bedeutet das Durchreiten eines 350 bis 400 m langen Parcours mit 12 bis 15 Hindernissen. Dabei werden die Pferde vom Veranstalter gestellt und den Athleten zugelost. Ein fehlerfreier Ritt ergibt die Maximalpunktzahl von 300 Punkten. Pro Abwurf werden jeweils sieben, pro Verweigerung oder Sturz werden jeweils 10 Punkte abgezogen. Beendet ein Teilnehmer den Parcours nicht, muss er vier Verweigerungen oder zwei Stürze hinnehmen, erhält er 0 Punkte (Elimination).
  • Combined (Querfeldeinlauf/Pistolenschießen): Seit 2009 wird das Schießen zusammen mit dem Querfeldeinlauf als Kombinationsdisziplin (Combined) ausgetragen. Es ist die letzte der fünf Disziplinen. Dabei wird mit Handicapstart gestartet - der Vorsprung wird anhand der Punkte umgerechnet (1 Punkt = 1 Sekunde). Wer als erster die Ziellinie passiert, ist der Sieger des Modernen Fünfkampfes. Seit der Wettkampfsaison 2013 werden vier Serien geschossen: kurz nach dem Start, nach 800 m, 1600 m und 2400 m des Querfeldeinlaufs. Nach jeweils fünf Treffern darf weitergelaufen werden. Das Zeitlimit beträgt jetzt 50 Sekunden pro Serie (bis zur Wettkampfsaison 2012 waren es 70 Sekunden). Erzielt ein Teilnehmer in dieser Zeit keine fünf Treffer, darf er seinen Lauf fortsetzen. Eine Zeit von 13:20 Minuten ergibt 500 Punkte. Jede Sekunde darüber oder darunter ergibt einen Punkt mehr oder weniger.

Das deutsche Team tritt mit insgesamt vier Teilnehmern an: Lena Schöneborn, Annika Schleu, Patrick Dogue und Christian Zillekens. Darunter ist Lena Schöneborn die erfolgreichste. Schöneborn präsentiert sich im Olympiajahr in bestechender Form. Sie gewann den Weltcup-Auftakt in Kairo sowie das Weltcup-Finale in Sarasota/Florida, wurde beim Olympia-Test in Rio sowie in Rom jeweils Zweite. Bei der Weltmeisterschaft in Moskau holte sie zuletzt Bronze. In dieser Verfassung zählt sie zu den Top-Favoriten auf eine Medaille. Schöneborns wohl größte Konkurrentin ist Laura Asadauskaite. Die Litauerin ist Olympiasiegerin von 2012 und amtierende Europameisterin, in der Weltrangliste liegt die 32-Jährige an der Spitze vor Schöneborn. Bei den Männern zeigten zuletzt der Ungar Adam Marosi, Olympia-Dritter von London, und der Ägypter Amro El Geziry stabile Leistungen.

Zeitplan des Modernen Fünfkampfes

Disziplin Frauen Männer Fechten Vorrunde 18. August um 15 Uhr 18. August um 19.30 Uhr Schwimmen 19. August um 17 Uhr 20. August um 17 Uhr Fechten 19. August um 19 Uhr 20. August um 19 Uhr Springen 19. August um 20.30 Uhr 20. August um 20.30 Uhr Laufen & Schießen 19. August um 23 Uhr 20. August um 23 Uhr

Beachvolleyball

Dieser Sport ist schon bekannter in Deutschland. Vereinfacht gesagt spielen zwei 2er-Teams (gleiches Geschlecht) nach leicht veränderten Volleyballregeln und –techniken im Sand gegeneinander. Es wird auf zwei Gewinnsätze bis 21 Punkte gespielt und ein entscheidender dritter Satz geht dann bis 15 Punkte. Bei den letzten Olympischen Spielen in London konnten sich Julius Brink und Jonas Reckermann als erstes europäisches Doppel eine Goldmedaille erspielen. In diesem Jahr starten für die deutsche Mannschaft die Paarungen Karla Borger und Britta Bühte, Kira Walkenhorst und Laura Ludwig, Markus Böckermann und Lars Flüggen. Die Damen bekommen es mit den sehr starken US-Amerikanerinnen Kerri Walsh und April Ross zu tun. Dazu muss man wissen: Walsh ist eine lebende Legende: 2004, 2008 und 2012 gewann sie olympisches Gold. Die 38-Jährige steuert auf ihren vierten Triumph zu. Auch auf der Seite der Männer stehen die US-Amerikaner hoch im Kurs. Favoriten sind hier Nicholas Lucena und Philip Dallhausser.

Zeitplan des Beachvolleyball-Turniers

Männer

Vorrunde: 07. August, 2:00 Uhr: Böckermann/Flüggen vs. Kantor/Losiak (POL)
Vorrunde: 08. August, 23:30 Uhr: Böckermann/Flüggen vs. Brouwer/Meeuwsen (NED)
Vorrunde: 11. August, 4:00 Uhr: Böckermann/Flüggen vs. Liamin/Barsouk (RUS)
Achtelfinale: 12. bis 14. August Viertelfinale: 15. bis 16. August
Halbfinale: 16. bis 17. August
Finale: 19. August

Frauen

Vorrunde: 07. August, 23:30 Uhr: Ludwig/Walkenhorst vs. Elghobashy/Nada (EGY)
Vorrunde: 08. August, 2:00 Uhr: Borger/Büthe vs. Heidrich/Zumkehr (SUI)
Vorrunde: 09. August, 23:30 Uhr: Ludwig/Walkenhorst vs. Broder/Valjas (CAN)
Vorrunde: 10. August, 2:00 Uhr: Borger/Büthe vs. van Gestel/van der Vlist (NED)
Vorrunde: 12. August, 2:00 Uhr: Ludwig/Walkenhorst vs. Menegatti/Orsi Toth (ITA)
Vorrunde: 12. August, 3:00 Uhr: Borger/Büthe vs. Bansley/Pavan (CAN)
Achtelfinale: 12. bis 14. August
Viertelfinale: 15. August
Halbfinale: 16. bis 17. August
Finale: 18. August