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Langfristige Nutzung der olympischen Sportstätten

Das waren die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro. Zwei Wochen Sport auf höchstem Niveau. Überraschungen, Enttäuschungen, pure Emotionen und Leidenschaft. Wie immer haben Milliarden Zuschauer mit Spannung auf die Entscheidungen in den modernen Sportstätten geschaut und mit den Sportlern mitgefiebert. Doch was passiert in Rio, wenn sich die Aufregung wieder legt, die Sportler wieder in ihre Trainingsstätten zurückkehren, die Flamme der olympischen Fackel erlischt und der Fokus der Weltöffentlichkeit nicht mehr auf die brasilianische Metropole gerichtet ist?

Zusammengezählt beherbergten 32 Wettkampfstätten die Olympischen Spiele in Rio, die grob in die 4 Gebiete Maracana, Copacabana, Barra und Deodorro aufgeteilt werden können. Laut der offiziellen Transparency Seite des olympischen Komitees waren 47 % davon bereits vor den Spielen vorhanden. Darüber hinaus wurden 25 % nur temporär errichtet und nur die restlichen 28% für eine dauerhafte Nutzung neu errichtet. Auch die Infrastruktur rund um die Sportstätten und zwischen den einzelnen Gebieten wurde aufwendig erneuert und verbessert.

Insgesamt wurden umgerechnet über 10 Milliarden Euro für die Spiele ausgegeben, von denen ein Teil vom IOC und globalen sowie lokalen Sponsoren getragen wird, ein großer Teil aber auch vom Land aufzubringen war. Mit diversen Projekten, Plänen, Legacy- und Nachhaltigkeitsrichtlinien wird immer wieder in den Vordergrund gerückt, dass diese Ausgaben vor allem der Entwicklung der Stadt und der Bevölkerung zu Gute kommen sollen.

Im Folgenden werden wir euch 2 der größten Projekte vorstellen:

Barra Olympic Park

Das Herz der Olympischen Spiele und gleichzeitig das größte Bauprojekt ist der Barra Olympic Park. Auf 1,18 Millionen Quadratkilometern fanden 9 Wettkampfstätten Platz, von denen nur zwei schon existierten. Zusätzlich wurden viele Park-, Public Viewing und Einkaufsmöglichkeiten geschaffen und auch das olympische Dorf und das Mediencenter sind ganz in der Nähe gelegen. Mit der Planung und Umsetzung wurde die Firma AECOM, die auch schon für große Teile der Spiele in London 2012 zuständig war, beauftragt.

Die Planungen sind, wie auch schon in London, auf Nachhaltigkeit und vor allem die langfristige Nutzung ausgerichtet. So sind Zisternen zum Sammeln von Regenwasser und Wasseraufbereitungsanlagen integriert und ein umfangreiches Infrastruktursystem umgesetzt worden, von dem auch nach den Spielen mindestens 70 % genutzt werden können. Die Verwendung von nachhaltigen Materialien wie dem Plastik-Holz, welches aus Holzabfall generiert wird und der von vorneherein beabsichtigte Rückbau, von der langfristig nicht gebrauchten Handballhalle und des Aquatics Centers, zeugen von Weitsichtigkeit.

Nach den Spielen ist ein zwei Phasen Plan vorgesehen. In einem ersten Schritt, der Übergangsphase, soll das Areal für lokale Bauernmärkte, Kunstausstellungen, Festivals und einem Skatepark genutzt werden. Nach 5-7 Jahren soll dann die zweite Phase folgen und das Gebiet zu einer neuen Siedlung mit Gewerberäumen und einer Schule für das angrenzende Armenviertel umfunktioniert werden. Darüber hinaus sollen die Sportstätten als Olympisches Training Center für brasilianische und internationale Athleten dienen und im Nachgang der Spiele noch um einige Trainingsstätten erweitert werden.

X-Park in Deodoro

Auf einer Fläche von knapp 2 Millionen Quadratkilometern wurden im Olympischen Park von Deodoro 11 olympische Sportarten ausgetragen. Insgesamt konnten dort in verschiedenen Sportstätten 78.000 Zuschauer beherbergt werden. Ganz besondere Pläne für die Zukunft hegen die Architekten von Vigliecca & Associates mit dem Extremsportpark, in dem die Kanu Slalom, Mountainbike und BMX Entscheidungen stattfanden.

Es soll ein Umweltbewusstsein in der Gesellschaft verankert werden, indem eine Rückzugsmöglichkeit in die Natur mit Picknickplätzen, Laufrouten und vielem mehr geboten wird. Mit dem X-Park soll im Nachgang der Spiele der zweitgrößte Park Rio de Janeiros entstehen. Die Erhaltung des Wildwasserkanals und der BMX / Mountainbike Strecke soll das Gebiet zudem attraktiv für die junge Bevölkerungsschicht machen und diese im Optimalfall von Kriminalität fernhalten.

Im Vordergrund aller Projekte steht die soziale und sportive Entwicklung der armen Bevölkerung im Umkreis der Austragungsstätten. Nichts soll unnütz gebaut worden sein, für jedes dauerhafte Bauprojekt gibt es umfangreiche Pläne für die langfristige Nutzung. Was bleibt ist die Hoffnung, dass die angekündigten Maßnahmen auch umgesetzt werden und die Bevölkerung tatsächlich in dem Maße von den Spielen profitieren, wie es im Vorfeld angekündigt wurde.