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Schwimmtraining auf vollen Bahnen

Ein Schotte fliegt aus dem Schwimmbad, weil er zu schnell schwimmt. Ein Mann löst einen Polizeieinsatz aus, weil er auf er falschen Bahn krault. Diese Situationen zeigen, wie angespannt die Stimmung in öffentlichen Schwimmbändern derzeit ist. Auf den Bahnen tummeln sich „Trockenhaarschwimmer“, Freizeitschwimmer, ambitionierte Hobbysportler und schnellen Profis. Dazwischen findet sich dann noch die Generation der Brust- und Rückenaltdeutschschwimmer. Da ist Kreativität gefragt, um sein eigenes Training durchziehen zu können. Wir geben euch Tipps, wie ihr trotzdem eure Leistung auf vollen Bahnen ausschöpfen könnt.

Frust und Enttäuschung auf der Bahn

Vor allem zu Beginn der Herbstsaison zieht es viele motivierte Schwimmer in die heiligen Hallen der Schwimmbäder. Viele gute Vorsätze bis Ende des Jahres im Gepäck und ein individuelles Trainingsprogramm zur Hand geht es ab ins warme Nass, wenn es draußen früh dunkel wird. Hier findet sich viel Konfliktpotential auf überfüllten Bahnen, wenn jeder seinen Trainingsplan absolvieren möchte. Schlechte Laune und Frust sind vorprogrammiert, wenn man seine Trainingseinheit nicht so durchziehen kann, wie man es sich vorgenommen hat.

Je inhomogener die Leistung auf einer Bahn ist, desto schwieriger wird es, sein eigenes Tempo zu schwimmen. Sind dann auch noch Brustschwimmer dabei, wird es schnell ungemütlich und eng. Diesen sind bekannte Methoden wie flottes Überholen oder Rollwenden oft fremd und so werden sie als aggressives Verhalten gedeutet. Schon hat man beim nächsten Überholversuch viel weniger Platz und erntet alles andere als Verständnis. Also muss eine Alternative zum eigenen Trainingstempo und -umfang her.

Kompromisse finden

Ein Intervalltraining, das flottes Schwimmen und pünktliche Abgangszeiten umfasst, ist auf überfüllten Bahnen nur schwer möglich. Bevor du dich also nun wieder mürrisch in die Umkleidekabine verziehst, solltest du abwägen: Auch ein einstündiges, gleichmäßiges Ausdauertraining verbessert die Leistungsfähigkeit. Dabei könntest du die mit kleinen Intensitäten „würzen“.

Tipps zum Schwimmen auf vollen Bahnen

  • Schwimme gleichmäßig langsam
    Passe dich deinen Mitmenschen auf der Bahn an und wechsle zwischen der Kraultechnik und dem Brustschwimmen - je nach dem Tempo vor dir. Finde eine gleichmäßige Geschwindigkeit und absolviere das Training in einer klassischen Dauermethode.
  • Zerlege deine Schwimmtechnik
    Nutze die Zeit im überfüllten Becken und konzentriere dich auf die einzelnen Teilbewegungen deiner Technik. Achte dabei aber immer nur auf eine Sache. Du kannst hier einzelne Technikübungen anwenden und somit deinen Schwimmstil durch das Techniktraining ökonomischer machen. Arbeite hier vor allem an deinen Schwächen, wie Beinschlag oder Wasserlage. Dann kannst du ordentlich Gas geben, wenn du das nächste Mal freie Bahn hast!
  • Schwimme in deiner Nebenlage
    Ein Training in deiner Nebenlage trainiert auch die Leistung in der Hauptlage. Als regelmäßiger Kraulschwimmer solltest du öfters mal in das Rücken- oder Brustschwimmen wechseln. So ist auch ein Training hinter einem langsameren Schwimmer ohne Probleme möglich.
  • Schwimme in Kombi-Übungen
    Hierbei geht es um das sinnvolle, rhythmische, perfekt abgestimmte Verbinden von Schwimmstilen. Kombiübungen sind zum Beispiel: Brustarme mit Kraulbeine, Brustarme mit Delfinbeine, Kraularme mit Brustbeine, Kraularme mit Delfinbeine... Du wirst bestimmt freiwillig dein Training verkürzen.
  • Schwimme so langsam wie möglich
    Versuche in Zeitlupen-Tempo zu schwimmen. Stelle dir vor du würdest von einer Hochgeschwindigkeitskamera aufgenommen werden. Diese Aufnahmen zeigen dir ganz genau wo deine Fehler liegen. Anstelle der Bewegtbilder gibt dir im Wasser dein Körper Rückmeldung. Du fühlst genau welche Bewegungen richtig sind und wo du deine Schwächen hast. Du kannst anschließend ein spezielles Techniktraining durchführen.
  • Verändere deine Intervalleinheiten
    Wenn du beispielsweise auf einer 25m Bahn versuchst 50m-Intervalle zu schwimmen, wird das auf einer überfüllten Bahn nahezu unmöglich. Specke daher deine Intervalle ab. Hast du 10x100m geplant, dann schwenke um auf bspw. 4 x 10x 25m oder noch kürzer 4 x 20 x 12,5m. So kommst du letztendlich auch an dein Tagesziel.
  • Schwimmen nach Lust und Laune – Fahrtspiel
    Ausgangspunkt bei dieser Alternative ist eine sehr niedrige Grundgeschwindigkeit. Diese liegt noch weit unter der eines normalen Dauertempos. Bietet sich nun eine Lücke oder ein größerer Abstand zu Vorausschwimmenden, so kannst du Vollgas geben. Anschließend folgt aber keine passive Pause, sondern wieder das Einnehmen der Grundgeschwindigkeit. Die intensiven Anteile dieser Fahrtspielmethode wirken so stark ermüdend, dass das vergleichsweise langsame Grundtempo nicht unterfordernd sein wird. Probier´s aus!
  • Arbeite ausführlich an deiner Kraulatmung
    Dabei sind dir keine Grenzen gesetzt. Übe das Atmen auf deine schwache Seite, versuche verschiedene Rhythmen (3er, 4er, 5er, 6er,...) oder atme in Pyramiden-Zyklen.
  • Übe das technisch richtige Blicken und Atmen für das Freiwasserschwimmen
    Nutze die Zeit im Schwimmbecken und übe die Technik beim Atmen und Sichten für die Zeit im Freiwasser-Bereich. Somit kannst du beim nächsten Wettkampf auf deine neuen Kompetenzen zurückgreifen und hast den Durchblick!
  • Nutze die Zeit am Beckenrand
    Führe am Beckenrand ein kleines Work-out für deine Armmuskulatur durch. Sogenannte „Press-outs“ sind Liegestütze im Stehen. Du legst – je nach Höhe des Beckenrandes – entweder deine Hände oder deine Unterarme in etwa schulterbreit auf den Beckenrand. Dann drückst du dich über deine Hände oder die Unterarme nach oben. Damit hast du die perfekte Übung für deinen Unterwasserarmzug und schulst gleichzeitig dein Muskelgedächtnis. Wenn wieder genügend Platz auf der Bahn ist, kannst du dein Schwimmtraining fortsetzen.

Hier noch ein paar allgemeine Verhaltensregeln zum Schluss:

  • Suche dir eine Bahn, die in etwa deiner Leistung entspricht
  • Bei mehr als zwei Schwimmern empfiehlt es sich im „Kreisverkehr“ zu schwimmen
  • Überhole immer vor einer Wende, so werden Kollisionen vermieden
  • Bei einer Pause immer Platz lassen für wendende Schwimmer

Als oberste Regel gilt: Lass dich nicht aus der Ruhe bringen und sieh dein Trainingspensum und –umfang nicht allzu kritisch. Lass dich auf die Umgebung und die vorherrschenden Gegebenheiten ein und mach das Beste daraus.

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