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Es gibt so viele Ziellinien, dass ein Leben allein gar nicht ausreicht!

Mark im Ziel beim Triple Ultra Triathlon LensahnUltratriathlet Mark Hohe-Dorst im Interview mit Sportshop-Triathlon

Das Ultra-Projekt 2015: Die Herausforderung, der sich Mark Hohe-Dorst in diesem Jahr stellte, hieß 13 Triathlon-Langdistanzen in 14 Wochen zu bewältigen. Dazu reiste er quer durch Deutschland und auch einmal ins Ausland, um der erste Athlet zu sein, der es schafft alle deutschen Langdistanzen und die beiden Ultra-Triathlon in einer Saison zu bestreiten. Wir haben ihn nach seinem letzten Stop – dem Carglass Cologne Triathlon Weekend – in Köln getroffen und gefragt wie es ihm ergangen ist.

Wie kam es zu dieser Idee 13 Langdistanzen in 14 Wochen zu absolvieren?

Ich kann es gar nicht genau sagen.Irgendwann im letzten Jahr habe ich mir gedacht, mache ich die doppelte und dreifache Distanz einer Langdistanz und könnte auch mal wieder an einer normalen Langdistanz teilnehmen. Ich kannte nur den Ironman in Frankfurt bis dato, da ich diesen fünf mal gefinisht habe. Sonst kannte ich keine der anderen Langdistanz-Veranstaltungen in Deutschland. Daher habe ich beschlossen, diese Wettkampfstrecken auch kennenzulernen, zusammenzupacken und in einem Jahr zu absolvieren. Damit war die Herausforderung geboren.
Leider hat es nicht ganz so geklappt, da es zeitliche Überschneidungen gab. Ich zog dann zum einen die doppelte Langdistanz in Emsdetten der Veranstaltung in Moritzburg vor und Berlin musste für den OstseeMan in Glücksburg weichen. Daher bestritt ich noch den Double-Ultra-Triathlon in Slowenien, um auf die Summe aller Langdistanzen in Deutschland zu kommen und mein Projekt auf Umwegen doch noch zu verwirklichen.

Wie und was motiviert dich auf den einzelnen Strecken/Wettkämpfen?

Ich fühle mich auf den Strecken zu Hause und kann fast schon sagen, dass mir die Langdistanzen zu kurz sind, da ich nicht mehr so schnell unterwegs bin. Im Ultrabereich findet man eine stärkere familiäre Atmosphäre, die mich sehr anspricht. Zudem ist dort nicht für Verpflegung gesorgt, sondern man braucht ein eigenes Team, auf das man während des Wettkampfs angewiesen ist. Alleine wäre es schon von den Rahmenbedingungen und der Organisation bedeutend schwieriger ins Ziel zu kommen.

Hattest du ein Team dabei, dass dich bei dem ganzen Vorhaben vor Ort immer unterstützte?

Nadine und David als fleißige HelferIch habe ein größeres Team um mich, das mich bei den Veranstaltungen unterstützt. Angefangen bei Freunden, die mich bei sich in den Wettkampfstädten übernachten lassen bis hin zu den Leuten auf der Strecke, die sich um die Verpflegung kümmern oder die Wechsel organisieren.  Meine Hauptbetreuerin im Team ist Nadine, die bei sechs der neun Veranstaltungen vor Ort war. Auf Zuruf ist sie zur Stelle und reicht mir was ich brauche und wenn es nur aufmunternde Worte sind, die sie mir mit auf den langen Weg gibt. Natürlich ist sie es auch, die die Facebook-Welt durch Fotos und Live-Posts auf dem Laufenden hält.

Gab es einen Moment in dem du alles abbrechen wolltest?

Nein, es gab nie einen Moment an dem ich das Projekt abbrechen wollte. Alle Wettkämpfe bis auf die beiden Ultras und Frankfurt waren ja neu für mich. Daher war ich gespannt, was jede der Strecken zu bieten hat und wo die Eigenheiten des jeweiligen Triathlons liegen.

Welcher war der härteste Wettkampf?

Der letzte der 13 angesetzten Langdistanzen am vergangenen Wochenende in Köln war definitiv der härteste für mich. Ich merkte doch die absolvierten Kilometer der letzten Wochen. Auch meine Zeit, die ich in Köln erreichte stimmt mit meinem Gefühl überein. Brauchte ich bei der ersten Langdistanz in Hannover noch 10.09 Stunden, war ich jetzt über 1,5 Stunden langsamer mit einer Zielzeit von 11.43 Stunden. Ganz ehrlich gesagt, waren die letzten drei Wochen echt anstrengend für mich, da ich gemerkt habe, dass mein Körper jetzt am Ende ist und um Erholung bittet.

Wie war der Carglass Cologne Triathlon in Köln für dich als letzte Veranstaltung?

Sehr gut gefallen hat mir an diesem Wochenende das Schwimmen und Laufen. Letzteres überzeugte mich sehr durch die Strecke, da ich es liebe am Ufer entlang zu laufen und der Rhein mit seinem Flair in Köln eine schöne Kulisse bietet. Unterwegs traf ich viele Teamkollegen an und auf der Strecke. Hinzu kommt, dass die Schwimmstrecke durch den geraden Verlauf bestzeitenfähig ist. Beim Radfahren - meiner schwächsten Disziplin - merkte ich den Gegenwind doch extrem. Leider musste ich auch einigen Passanten ausweichen, die den Anweisungen der Ordner nicht folgeleisteten und an undurchsichtigen Stellen einfach die Straße überquerten. Teilweise war es da schon gefährlich bei mir und auch bei anderen Triathleten.

Würdest du es wieder tun?

Mark auf der RadstreckeNein, lieber nicht. Jetzt weiß ich ja was mich bei den einzelnen Wettkämpfen erwartet und ich muss sagen, so eine Summe an Langdistanzen in solch einem kurzem Zeitraum ist einfach zu viel. Man ist ein bisschen mit angezogener Handbremse unterwegs und weit weg von seiner Bestzeit. Diese liegt bei 9.40 Stunden und ist im Vergleich zu meiner Endzeit in Köln um zwei Stunden besser. Wie man sich vorstellen kann ist das schon deprimierend.

Wie kommst du auf die Ideen für die unterschiedlichen Ziele, die du dir jedes Jahr steckst?

Irgendwann komme ich eben mal wieder auf dumme Gedanken und entdecke darin eine neue potentielle Herausforderung für mich. Teilweise sind es eigenständige Projekte, die ich mir ausdenke und andernfalls ergibt es sich in Gesprächen mit anderen Sportlern. Meist ist es ja sehr spontan, da es auch eine Frage der Zeit ist, in der ich mich der Herausforderung stellen kann. Die meisten Angebote an Veranstaltungen sind eben komprimiert von Juni bis August.

Was würdest du anderen Triathleten raten oder an Tipps mitgeben, die dir nacheifern oder ein ähnlich intensives Programm abarbeiten wollen?

Das was ich mache verträgt sich selten gut mit einem anstrengenden und arbeitsintensiven Job. Zudem sollte man sich keine Familie zulegen. Dies ist nur extrem schwer unter einen Hut zu bekommen. Oft absolviere ich in der Vorbereitungszeit bis zu 50 Stunden Training in der Woche. Ansonsten kann ich nur raten, seine Ziele konsequent zu verfolgen. Egal, wie langsam man etwas macht- am Ende zählt nur, dass man das Ziel erreicht. Sollte dies mal nicht so sein, probiert man es halt noch einmal. Eventuell hat man Fehler gemacht und lernt daraus.

Wie kam es dazu, dass du 2001 bei Null begonnen hast und bereits 2006 unglaublich durchgestartet bist bei den Disziplinen des Triathlons?

Marks Zieleinlauf beim Double Ultra Triathlon in EmsdettenIch denke es hat damit angefangen, dass ich mir ein Mountainbike kaufte, damit auf die Arbeit fuhr und auch mit einem Freund Touren machte. Dann wurden die Strecken immer länger. Nebenher fing ich an zu Laufen, anfangs mehr kläglich, bis ich schließlich 2006 meinen Traum einen Marathon zu laufen verwirklichte. Nach meinem Umzug nach Frankfurt war ich dann 2004 tagsüber mit dem Mountainbike in der Stadt unterwegs. Was ich nicht wusste war, dass an diesem Tag der Ironman in Frankfurt stattfand. Damals war der ganze Hype um diesen Sport noch nicht so hoch wie heute. Ich fragte dann einen Zuschauer, was die Sportler denn da genau machen. Dieser klärte mich über den Triathlon auf und ich staunte, dass sowohl, ältere oder auch kräftigere Menschen diese Distanzen schafften. Da war mein Interesse geweckt und ich wollte auch an Langdistanzen teilnehmen. Es dauerte dann noch bis 2007 ehe ich einen Startplatz in Frankfurt bekam und endlich starten konnte. Beim Zieleinlauf stellte ich fest, dass ich noch nicht so kaputt war wie ich erwartet hatte und schaute mich in der Folgezeit um, ob es nicht noch längere Distanzen gibt. Wie ich jetzt weiß gibt es die – die Grenzen setzt man sich nur selber.

Welche Herausforderungen stellst du dir für nächstes Jahr?

Fest eingeplant sind auf jeden Fall die 230 Kilometer laufen bei der TorTour de Ruhr, den ich dieses Jahr mit meinem einzigen DNF zu verzeichnen habe. Das kann ich so nicht stehen lassen. Danach werde ich zum achten Mal in Folge die Tradition aufrecht halten und in Lensahn beim Triple-Ultra-Triathlon starten. Darüber hinaus ist in Europa eventuell ein zehnfacher-Langdistanz-Triathlon geplant, bei dem in zehn aufeinanderfolgenden Tagen jeweils eine Langdistanz absolviert wird.

Wird in deinem Trainingslager 2016 auch auf solche Extreme hintrainiert oder wer kann und darf sich dafür anmelden?

Zieleinlauf Nummer 12Ich überlege mir das gerade auf die Beine zu stellen. Bis jetzt habe ich mir vorgestellt ein Trainingslager im Frühjahr 2016 auf Lanzarote anzubieten, dass sich erstmal an Jedermann richtet, der die einzelnen Disziplinen gerne macht. Es wird ein zweiwöchiges Trainingslager mit Selbstverpflegung geben, was den Vorteil hat, dass man nicht an Essenszeiten gebunden ist, sondern den Tag flexibel und individuell gestalten kann. Vor Ort wird zusammen trainiert wobei jeder seine Wünsche und persönliche Beratung erhält. Dazu gehört auch, dass ich gerne Testwettkämpfe zum Beispiel über die olympische Distanz anbieten werde, um ein erstes Feeling für den Triathlon zu bekommen. Alten Hasen werde ich mit Laufstrecken in den Bergen quälen oder mit dem Rad quer über die Insel lotsen.

Spätestens ab Dezember 2015 bekommt ihr auf der Homepage von Mark Hohe-Dorst viele weitere Informationen zum geplanten Trainingslager: www.ultrathlet.de

 

Das Sportshop-Triathlon Team bedankt sich bei Mark Hohe-Dorst für das interessante Interview und wünscht ihm eine erholsame Saisonauszeit.