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Experteninterview mit Marcel Wüst zum Thema Radbrillen

„Es reicht ein kleines Unglück und ich sitze ganz im Dunkeln, also gilt bei mir: Brille, immer!“

Marcel Wüst ist ein ehemaliger Profi-Radrennfahrer. In seiner aktiven Zeit konnte er als Sprinter über 100 Siege herausfahren und gewann 14 Etappen bei den großen Rundfahrten Tour de France, Giro d’Italia und Vuelta a España. Heute bietet er individuelle Radreisen auf Mallorca an. Wir haben ihm einige Fragen zu seinen Erfahrungen mit Sportbrillen und seinen Erlebnissen beim Sport gestellt.

Was war deine anstrengendste Etappe? Schönstes Erlebnis bei einer Etappe?

Anstrengend waren alle Bergetappen, vor allem die bei schlechtem Wetter…Bei Giro , Tour und Vuelta habe ich solche erlebt – aber auch richtig schnelle Etappen mit viel Wind und / oder Hitze erforderten 100% Einsatz…Insbesonders glücklich war ich über eine gute Brille bei Etappen im strömenden Regen – man sah mit Brille zwar wenig, aber ohne gar nix – für mich als Kontaktlinsenträger ganz wichtig! Am schönsten sind natürlich Siege…14 x bei den drei großen Rundfahrten als Erster über die Ziellinie gefahren zu sein war unglaublich – genauso wie die Tatsache, dass ich mein allererstes Profirennen überhaupt, die Ronde des Pyrenées am 5.2.1989 gewinnen konnte, das war vermutlich das schönste!!

Warum ist eine Radbrille wichtig?

Eine Radbrille ist für meine Begriffe unverzichtbar. Nicht nur der Schutz des Auges vor äußeren Einflüssen wie Staub, Insekten und Fahrtwind sollte im Vordergrund stehen, sondern auch die allgemeine Entlastung des Auges. Bei extrem sonnigen Bedingungen ist ein Lichtfilter unbedingt vonnöten, da das Auge sonst auf Dauer überanstrengt. Fortwährendes Blinzeln macht müde und nervt! Die Dinge um sich herum, auch was die Wahrnehmung angeht, „ganz entspannt zu sehen“ ist sicherlich von Vorteil. 

Kann man auch ohne Brille Rennrad fahren?

Ja, genau so gut, wie man ein heißes Pizzablech ohne Handschuhe aus dem Ofen holen kann – es spricht rein gar nichts dafür!!

Woran merke ich, dass eine Brille mir passt?

Wenn ich eine Brille aufsetze, dann muss sie passen. Antirutschbeschichtung an den Bügeln sowie ein rutschfestes und verstellbares Nasenpad sind Pflicht! Dann die Frage, ob die Brille evtl. Teile des Gesichts regelrecht berührt (bei ausgeprägten Wangenknochen oft der Fall…) dann sollte man das Modell wechseln. Der Schutz und Komfort wird vor allem dadurch bestimmt, wie winddicht die Brille am Gesicht anliegt, desto enger, desto besser! Normalerweise spürt man eine Brille gar nicht – und wenn sie dann beim Hochschieben auch noch mit den Nasenpads ganz oben an der Stirn vor’m Haaransatz hält, dann ist sie für mich perfekt.

Woran erkenne ich eine gute Brille?

Vor allem muss eine Brille easy in der Handhabung sein. Gläser wechseln sollte nach 2 x probieren intuitiv, schnell und ohne Konsultation der Gebrauchsanleitung zu bewerkstelligen sein. Ein robustes Kunststoffgestell das auch bei Unfällen nicht bricht, optisch hochwertige und einwandfreie Gläser die das Auge nicht anstrengen und auch eine gewisse Verstellbarkeit der Bügel setze ich für das Prädikat gute Brille voraus. Wenn im Lieferumfang gleich mehrere Wechselscheiben und eine Transportbox mitgeliefert werden ist das top – weiterer Ersatz sollte gut verfügbar und vor allem auch bezahlbar sein!

Welche Brille verwendet man zu welcher Jahreszeit?

Die Jahreszeit ist gar nicht so wichtig – die Lichtverhältnisse sind es! Auch im Winter, evtl. mit Schnee oder Raureif neben der Straße, kann bei Sonnenschein eine extreme Lichtbelastung auftreten vor der man sich schützen sollte. Wenn es bewölkt ist kann man auf weniger dunkle Gläser wechseln und sollte es wirklich kaum noch Licht haben, dann gibt es eben auch die Variante von komplett klarem Glas - auf die Optik hat es keinen Einfluss,  das Auge wird aber geschützt. Besonders empfehle ich an den dunklen, grauen Wintertagen ein gelb / oranges Glas – man sieht gut, sogar die Stimmung hebt sich und der Sport macht noch mehr Spaß!

Was hat sich seit deinem Unfall für dich verändert?

Seit ich nur noch ein Auge habe, weiß ich genau, dass ich es IMMER schützen muss. Modische Brillen mit ganz leicht getöntem oder klarem Glas habe ich auch privat immer auf der Nase – es reicht ein kleines Unglück und ich sitze ganz im Dunkeln, also gilt bei mir: Brille, immer!

Verspiegelt oder getönt? Warum gibt es transparent und orange?

Die Wahl der Gläser ist die freie Entscheidung eines jeden einzelnen. Der Blick durch die Brille sollte angenehm sein und wenn man ein rotes Outfit trägt, dann ist die Verspiegelung in passender Farbe auch sinnvoll, denn auch hier gilt: Sehen und gesehen werden, aber bitte auch in dieser Reihenfolge! Die Transparenten und orangen Gläser sind vor allem bei schlechten Lichtverhältnissen angesagt - gut sehen, gut schützen!

Wann ist eine Brille zu dunkel zu hell?

Sobald es mit Brille anstrengender ist etwas zu erkennen als ohne – orange Gläser bei strahlendem Sonnenschein, dunkle Tönung bei Dämmerung, ein absolutes No Go, aber das merkt man dann schon selbst…                                              

Wir wissen, dass du mittlerweile auch läufst. Braucht man da auch eine Brille?

Bei JEDER sportlichen Betätigung ist eine Brille sinnvoll – somit auch beim Laufen. Die Entscheidung kann und sollte jeder selber treffen, aber allein der Schutz des Auges, gepaart mit dem angenehmen optischen Eindruck was den richtigen Lichtfilter, Lichtverstärker angeht sind Vorteile die mich IMMER eine Brille tragen lassen, sobald ich Sport treibe…

Wie sieht es mit dem Thema Triathlon aus?

Triathlons habe ich schon einige hinter mir – auf mehr als Mitteldistanz hatte ich aber nie Lust.  Kurz, Olympisch etc. geht auch ohne Training immer! Für mich gibt es aber keine „Wettkämpfe“ mehr, sondern nur noch „Veranstaltungen“ auf denen ich mit Spaß, Freude und Gleichgesinnten unterwegs bin.…denn um die Wette gekämpft, mit all den damit verbundenen Entbehrungen und Qualen habe ich während meiner Profizeit genug…Leiden war gestern, jetzt gibt’s Spaß, immer mit Brille…

Was hast du aktuell für Projekte?

Ich bin seit einigen Jahren sehr umtriebig was radsportliche Projekte angeht – ganz wichtig meine Casa Ciclista auf Mallorca. Dort biete ich individuelle Radreisen an, vor allem Anfänger kommen dort sehr auf ihre Kosten, denn gerade wenn man mit etwas Neuem beginnt, sollte man sich den ein oder anderen Rat einholen – mit meiner inzwischen 38jährigen Radsport Erfahrung habe ich schon so manchen Horizont erweitert und den Menschen geholfen diverse Fehler zu vermeiden. Außerdem gibt es ein Marcel Wüst / Casa Ciclista Hobbyteam mit über 100 Mitgliedern – uns verbindet der Spaß am Radsport und wir sind in ganz Europa unterwegs… Außerdem bin ich als Rad(sport)botschafter vor allem in Rheinland Pfalz unterwegs und auch für diverse ausländische Raddestinationen biete ich maßgeschneiderte Radferien in Österreich und Italien an.