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Kampf ums Überleben

Als ehemalige Trendsportart entwickelte sich Triathlon in den letzten Jahren zu einem sehr beliebten Breitensport. Immer mehr Sportler wagen sich aus einer der drei Sportarten kommend auf die kombinierte Strecke aus Schwimmen, Radfahren und Laufen und treten in einer der verschiedenen Triathlon-Distanzen an. Aber nicht nur das Teilnehmerfeld wird in den letzten Jahren immer größer: Exponentiell wächst vor allem die Zahl der Veranstalter innerhalb des Wettkampfkalenders! Dies wird nun für einige kleine Ausrichter zum echten Überlebenskampf. Wir wollen einmal den Blick darauf richten, vor welchen Hürden insbesondere kleine Triathlon-Veranstaltungen stehen.

Während es im Jahr 2003 noch 90.000 Triathleten waren, die an Wettkämpfen teilnahmen, sind es im Jahr 2016 bereits mehr als 270.000 Starter alleine in Deutschland. Die Deutsche Triathlon Union (DTU) veröffentlicht jährlich die genauen Zahlen und notiert für 2016 insgesamt 600 Triathlon-Veranstaltungen mit insgesamt 1.500 Wettkämpfen. Trotzdem verzeichnen viele Rennorganisationen sinkende Anmeldezahlen. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Meist sind aber die kleinen und familiären Veranstaltungen davon betroffen.

Externe Herausforderungen

Zähe Verhandlungen mit Stadt und Land

Im Vorfeld einer Veranstaltung stehen viele Behördengänge an, um sich die entsprechenden Genehmigungen einzuholen. Dabei stellen sich nicht selten die Ämter, Anwohner oder andere Interessensverbände quer. Es ist oft ein harter Kampf mit vielen Kompromissen und Lösungsvorschlägen, der unheimlich viel Zeit und Energie kostet. Bei vielen stellt sich die Stadt einfach quer und fordert so hohe Auflagen, dass die Vereine einknicken und die Veranstaltung an den Nagel hängen. Die Liste dieser gescheiterten Wettkämpfe ist lang. Schließlich steckt hinter der ganzen Vorbereitung mehr als ein paar Straßen abzusperren oder die DLRG für sich zu gewinnen.

Dass die hohen Auflagen seitens privater Gesellschaften oder öffentlicher Behörden für viele Vereine eine unüberwindbare Hürde sind, zeigen zwei Beispiele, die sich erst kürzlich in unserer Region ereignet haben und die wir daher an dieser Stelle nochmal nennen wollen. Sowohl der Lago Beach Triathlon in Zülpich als auch der RheinAhr Triathlon in Remagen/Sinzig konnten dieses Jahr erstmals nicht stattfinden. Für die MultisportFriends in Zülpich bedeutet das den finanziellen Untergang und den Zülpicher Triathlon wird es in Zukunft so nicht mehr geben. Ob es für das Triathlon-Team Sinzig im nächsten Jahr weitergeht ist noch unklar, wir drücken die Daumen für eine Wiederauflage im Jahr 2018.

Falls ihr nochmal genau nachlesen möchtet, wie es dazu kan, könnt ihr das hier gerne tun:

Zunehmende Konkurrenz-Veranstaltungen

Aufgrund der zeitlich stark begrenzten Triathlon-Saison in Deutschland finden im Sommer jedes Wochenende zahlreiche Wettkämpfe zeitgleich statt. Dabei muss sich ein jeder Wettkampf gegenüber den anderen profilieren und um Teilnehmer werben. Allein die Mundpropaganda oder das jährlich feste Datum in den Köpfen der Triathleten reicht bei Weitem nicht mehr aus. Flyer, Plakate oder die Veranstaltung über die Social-Media bekannt zu machen, dauert und braucht fleißige Hände, sowie Zeit und finanzielle Mittel im Vorfeld.

Herausforderungen der eigenen Organisation

Ehrenamtliche Helfer werden seltener

Vor allem die kleinen Triathlon-Vereine, die einen Wettkampf ausrichten wollen, sind auf die vielen ehrenamtlichen Helfer wie Familie und Freunde, sowie die eigenen Mitglieder angewiesen, um so ein Event überhaupt stemmen zu können. In der heutigen Zeit ist es schwierig eine hohe Zahl an diesen Volunteers zu bekommen. Wochenlange Vorbereitungen gehen einer solchen Veranstaltung voraus. Oft übernehmen das die „alten Hasen“, die schon lange im Verein aktiv sind bzw. nicht mehr aktiv an Wettkämpfen teilnehmen, aber noch mit dem Verein und einem diesem innewohnenden Amt verbunden sind. Was passiert, wenn diese auf einmal wegfallen und diese Arbeit neben dem eigentlichen Beruf und Familie nicht mehr ausüben wollen? Wer übernimmt das neue Amt und kann bzw. will sich neben dem Alltag so viel Zeit freischaufeln? Dies ist meist ein herber Verlust für jeden kleinen Verein, der nicht einfach zu kompensieren ist.

Das Rundum-Event zählt

Viele Vereine und kleinen Veranstalter scheitern aber vor allem an der Attraktivität der Veranstaltung. Heutzutage suchen die Triathleten vor allem im Breitensport- und Hobbybereich das große Event. Es muss ein kompletter Tag gefüllt und für die Unterhaltung der Angehörigen, sowie für das leibliche Wohl des Triathleten gesorgt werden. Alleine am Rand zu stehen und die Sportler anzufeuern reicht heute nicht mehr aus. Ein Musik-Akt nach dem anderen, eine Hüpfburg für die Kinder und eine Messegelände mit Sportausstellern gehören schon zu einem Triathlon, wie anschließende Massageangebote und Duschen vor Ort. Auch mit Kuchen im Ziel sind die meisten Teilnehmer heute nicht mehr zufrieden. Etwas Ausgefallenes sollte es sein oder wie ein großes Buffet muss sich die Auswahl in der Verpflegungsstation anfühlen.

Von der Tüte voller Give-aways vor dem Renntag kaum zu schweigen. Viele Teilnehmer wollen etwas für ihr Geld und schauen gezielt nach solchen Veranstaltungen. Klar, dass vor allem die kleinen Veranstalter da nicht mit den großen Ausrichtern mithalten können.

Auch Traditionsveranstaltungen kämpfen um Triathleten

Aber nicht nur die kleinen Veranstalter müssen um das Überleben kämpfen, auch große, langjährige und traditionelle Wettkampfausrichter müssen sich etwas einfallen lassen. In den vergangenen Jahren gab es immer mehr Absagen von zuvor sehr erfolgreichen und gut besuchten Veranstaltungen. Betroffen waren beispielsweise der Powerman Germany in Falkenstein im Jahr 2015, sowie 2012 auch der Triathlon Kulmbach. Die Anmeldezahlen blieben bei beiden Veranstaltern weit unter den gewohnten Erwartungen und mussten kurzfristig abgesagt oder verkürzt werden.

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