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Welches Material wird für Sportbekleidung verwendet? Und gibt es ökologische Alternativen?

Jeder Deutsche kauft durchschnittlich 70 Kleidungsstücke im Jahr, davon werden viele jedoch nicht lange getragen und schon bald, angeregt durch die Textilhersteller, die uns jede Saison neue Outfits präsentieren, durch neue Klamotten ersetzt. Mit dem Wunsch nach neuen Lieblingsstücken geht jedoch auch eine ökologische Verantwortung einher. Neben den prekären Arbeitsbedingungen von Textilarbeitern in den Entwicklungsländern ist es vermehrt auch die Ökobilanz der Textilherstellung, die viele Käufer bei ihrer Kleidungswahl beeinflusst. Aber welche Materialien hinterlassen welchen ökologischen Abdruck?

 

 

Die Textilproduktion belastet natürliche Ressourcen

Dass die Synthetik-Fasern des neuen Laufshirts in einem aufwändigen Verfahren und vielen Verarbeitungsschritten aus Erdöl gewonnen werden, ist den meisten Sportlern heute inzwischen bekannt. Dieser Rohstoff ist natürlich begrenzt und sein Abbau zieht erhebliche Umweltbelastungen, etwa durch einen enormen CO2-Ausstoß, nach sich. Stoffe aus nachwachsenden Ressourcen wie Baumwolle sind aber nicht nur wegen ihrer unzulänglichen Funktion keine optimale Alternativen, da auch die Herstellung dieser Naturfasern eine erhebliche Belastung für Natur und Umwelt bedeutet: Die Herstellung von einem Kilo Baumwolle beispielsweise verbraucht 15.000 Liter Wasser.

In der Benutzung sind synthetische Fasern langlebiger als natürliche Materialien und lassen sich den individuellen Wünschen wie Atmungsaktivität und Dehnbarkeit besser anpassen. 2012 stammten daher 69 Prozent aller verbrauchten Fasern aus chemischer Herstellung. Auch wenn dabei weniger Wasser als bei der Baumwollproduktion benötigt wird, verbraucht die chemische Fabrikation jedoch fast doppelt so viel Energie und belastet so die natürlichen Ressourcen. Einen Vorteil haben Chemiefasern jedoch: sie sind eine Wert-Ressource, die recycelt und damit in den Stoffkreislauf zurückgeführt werden kann. Allerdings besteht bei der großflächigen Rücknahme von Textilabfällen noch viel Potential.

Abfall oder Rohstoffquelle?

Im Jahr 2010 haben die USA und die EU fast 15 Millionen Tonnen von Textilabfällen produziert. Was für die einen Müll ist, sehen andere als Rohstoffquelle, denn darin enthalten waren rund eine Million Tonnen Nylon-Wertstoffe. Das ECONYL® Regenerationssystem extrahiert diese Nylon-Wertstoffe in mehreren Verarbeitungsschritten und stellt Nylon-Garne her, die dieselben Eigenschaften wie neu-produzierte Nylon-Fasern aufweisen. Das regenerierte Garn ist damit völlig gleichwertig und für jede weitere Verarbeitung geeignet.

Während der Produktion der Garne wird mehr Abfall verwertet als produziert, was für eine äußerst positive Ökobilanz sorgt. Auf der einen Seite wird Abfall wieder verwendet, der sonst auf Müllhalden oder in der Natur bzw. den Meeren (Fischernetze) landen würde. Auf der anderen Seite werden wertvolle Rohstoffe gespart, die normalerweise zur Herstellung von Nylon benötigt werden.

Das ECONYL® Regenerationssystem besteht aus einem geschlossenen Kreislauf:

  • Wertstoffsammlung
    Das ECONYL® Rücknahmeprogramm ist der erste Schritt des ECONYL® Regenerationssystems. Nylonabfälle, die bei der Textilproduktion anfallen oder von ausrangierten Endprodukten (wie z.B. Fischernetze, Textilien und von Bodenbelägen entfernter Teppichflor) stammen, werden eingesammelt und ins ECONYL® Sammel- und Aufbereitungszentrum gebracht.
  • Wertstoffaufbereitung
    In Ajdovščina (Slowenien), in der Nähe von Ljubljana, beginnt für die gesammelten Wertstoffe die Reise in ihren Urzustand. In der Aufbereitungsanlage werden die verschiedenen Wertstoffarten gereinigt und vorbehandelt. Fremdstoffe wie z.B. organisches Material, andere Kunststoffe und Metalle werden im Reinigungsprozess entfernt und anderen Lieferketten zugeführt. Die gereinigten Nylonabfälle werden zerkleinert, komprimiert, eingepackt und nach Ljubljana in die ECONYL® Regenerationsanlage transportiert.
  • Regeneration
    Die ECONYL® Depolymerisation ist ein völlig neuartiges Reinigungsverfahren, das wesentlich einfacher ist als die bislang genutzten, industriellen Methoden. Dabei wird massiv Energie und Wasser eingespart sowie weitaus weniger Restmüll bei gleichzeitig höherer Ausbeute an hochwertigem Nylon produziert. Daran schließt sich die sogenannte Polymerisation, eine chemische Methode zur Umwandlung von ECONYL® Caprolactam in Polyamid 6, an.
  • Neuverarbeitung
    Die hergestellten Polyamid 6-Polymere werden im letzten Schritt zu BCF-Garn (Teppichgarn) und NTF-Garn (Textilgarn) weiterverarbeitet.

Hersteller aus der Sportbranche die bereits Nylon-Garne aus dem ECONYL® Regenerationssystem verwenden sind Speedo, Arena, Adidas und Protective.

Kraftstoff des Meeres

Wer schon einmal mit einer schmerzenden und juckenden Wunde im Meerwasser war, der kennt die wohltuende Wirkung der enthaltenen Mineralstoffe. Das Meer beherbergt eine ungeahnte Vielfalt biologisch und chemisch interessanter Organismen, die sich in vielfacher Hinsicht positiv auf unsere Gesundheit auswirken. Viele Wirkstoffe wie Vitamine, Spurenelemente, Aminosäuren, Jod und weitere Mineralsalze werden in großer Komprimierung von Algen gespeichert. So sind in einem Kilo getrockneter Algen die Wirkstoffe von über 100.000 Litern Meerwasser enthalten.

In einer natürlichen und umweltfreundlichen Produktionsmethode ist es der smartfiber AG gelungen, den wohltuende Effekt von Meeresalgen direkt in die Cellulose-Faser zu integrieren, sodass die Wirkung dauerhaft erhalten bleibt. Das patentierte Verfahren, das aus nachwachsenden Rohstoffen eine Textilfaser entwickelt, ist ein nahezu geschlossener, in die Natur eingebundener Kreislaufprozess. Die gewonnenen Algenblätter werden in einem natürlichen Verfahren getrocknet und grob zerkleinert. Sie sind völlig unbehandelt und ihre biologische Wertigkeit bleibt erhalten.

In den sogenannten SeaCell™-Fasern finden sich Braunalgen aus dem einzigartigen Ökosystem der isländischen Fjorde wieder. Sie sind mit Vitalstoffen angereichert, beinhalten keine Schadstoffe und stehen für höchste Qualität. Auch die Ernte erfolgt auf besonders schonende Weise. So wird nur alle vier Jahre ein bestimmter Teil über der regenerativen Region der Alge abgeschnitten. Es wird gewährleistet, dass nach dem Abschneiden des oberen Teiles dieses Algenblatt wieder ausgetrieben werden kann. Zudem werden spezielle Erntemaschinen mit Schaufelrädern eingesetzt, die das Ökosystem vor Ort nicht beeinträchtigen.

Die Fasern können ideal in Textilien aller Art eingesetzt werden und werden schon in zahlreichen Kollektionen renommierter internationaler Anbieter verwendet. Bei uns findest du die SeaCell™-Fasern im Sitzpolster der Sun Valley Bib Tight von Protective wieder.

Coffee to go – nicht auf der Hand, sondern auf der Haut!

Was tun, wenn Sportbekleidung stinkt? Warum nicht auf das gut bewährte Hausmittel Kaffeesatz zurückgreifen. Ein taiwanesisches Textilunternehmen machte die Entdeckung, dass die geruchsbindende Eigenschaft von Kaffee auch für High-Performance-Textilien nutzbar ist. Aber Kaffee-Fasern nehmen nicht nur schlechte Gerüche auf, für den Einsatz im Textilbereich, besonders in der Sportbranche, bieten sie zahlreiche weitere positive Eigenschaften wie UV-Schutz, schnelle Trocknung und Atmungsaktivität.

Die Herstellung der Kaffee-Fasern ist zudem sehr ökologisch. Das Rohmaterial, der Kaffeesatz, kommt von großen Kaffee-Ketten wie z.B. Starbucks oder Seven-Eleven. „Für die ist das Abfall. Im Prinzip sind wir so etwas wie die Müllabfuhr.“ berichtet Firmengründer Jason Chen. Aus jedem Filter lassen sich etwa 2% Kaffee-Extrakt gewinnen. Der Kaffeesatz wird sehr fein gemahlen und mit Polyester- oder Nylonresten gemischt, um die Fasern herzustellen. Dieser Prozess erfordert zudem weniger Energie als die Herstellung herkömmlichen Fasern.

Aus jeder Tasse Kaffee könne etwa zwei T-Shirts hergestellt werden. So wird unter dem Slogan „Drink it, wear it“ seit gut vier Jahren umweltfreundliche Funktionskleidung aus Kaffeefasern an mehr als 100 Textilhersteller wie Puma, The North Face oder Protective verkauft.

Tropischer Wärmelieferant für europäische Sportler

Wer hierzulande nach einer warmen und leichten Jacke sucht endet meistens bei Daune oder Synthetikfasern mit ähnlichen Eigenschaften. Es gibt jedoch auch ökologische Alternativen: Kapok wird auch als Pflanzendaune bezeichnet und ist hohl und extrem leicht. Wegen des Lufteinschlusses von 80 % gilt die Kapokfaser als leichteste natürliche hohle Textilfaser der Welt, sie isoliert gut und ist angenehm wärmend.

Die Kapokfaser ist ein ökologisch sehr interessanter Rohstoff, da die Faser aus den Fruchtkapseln des Ceiba pentandra (Kapokbaum), die ständig nachwachsen, gewonnen wird. Ein einzelner Baum liefert pro Jahr ungefähr 20 kg reine Fasern. Die meisten Kapokbäume wachsen in den tropischen Zonen Asiens (Sri Lanka, Thailand, Indonesien, Philippinen) und Mittel- und Südamerikas und werden nicht in Plantagen oder Monokulturen angebaut. Darum benötigt man auch keinen Dünger- oder Spritzmitteleinsatz und für die Verarbeitung sind keinerlei chemische Bearbeitungsprozesse notwendig.

In den Fruchtkapseln wachsen bis zu 100 Samen, die in seidenweiche Fruchthaare eingebettet sind. Zur Erntezeit werden die reifen Kapseln von Hand gepflückt, geöffnet und an der Sonne getrocknet. Zur Weiterverarbeitung werden die luftig-leichten Fasern in einer Gebläsekammer von den Samen getrennt. Kapokfasern haben eine seidig-glatte Oberfläche, weshalb sie nicht filzen oder klumpen wie Wolle oder Baumwolle, und sind von einer feinen Wachsschicht überzogen, die dafür sorgt, dass Feuchtigkeit rasch weitergeleitet, aber nicht aufgesaugt und zurückgehalten wird. Aus den Fasern lassen sich nachhaltige Garne, Stoffe und Füllungen herstellen.

Welche Sportbekleidung ist die Richtige?

Welche Stoffe für Sportbekleidung verwendet werden sollten und welche nicht, darüber lässt sich sicher streiten und auch wie viel die Verarbeitung von ökologischen Materialien für Sportbekleidung kosten darf, muss jeder für sich selbst beantworten. Aber besonders als Triathleten und Freiwasser-Schwimmer, sind wir auf die Natur als Trainingsraum angewiesen und sollten ab und an einmal vor dem Kauf des nächsten Laufshirts von Aldi, Lidl und Co darüber nachdenken, wie es hergestellt wurde und welche Alternativen es gibt.